Wenn gestandene Männer weinen wie kleine Jungs, kann es eigentlich nur um eines gehen: König Fußball.
Der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in England aus der Taufe gehobene Ballsport trat schnell seinen globalen Siegeszug an und auch im Ruhrgebiet schossen die Vereine bald im dortigen Arbeitermilieu genauso zahlreich wie die Zechen aus dem Boden.
Der Fußball im Revier war in seinen Anfängen schon immer der Sport der Arbeiterklasse.

So malochte etwa Kult-Kicker Ernst Kuzorra – einer der ganz Großen des legendären Schalker Kreisels und zwischen 1934 und 1942 mitverantwortlich für sechs Meisterschaften des FC Schalke 04 – noch bis Mitte der 20er Jahre auf der Zeche Consolidation.

Und auch „der Boss“ Helmut Rahn, der sich 1954 mit seinen zwei Toren im Endspiel beim „Wunder von Bern“ zur Unsterblichkeit und Deutschland zum Weltmeistertitel schoss, war Sprößling einer Bergmannsfamilie.

Mit der Zeit wurden die Vereine so zu Identitätsstiftern und Gallionsfiguren der Region, denn schließlich spielten in vielen Mannschaften ja Kicker, mit denen der gemeine Kumpel noch vor kurzem seine Schichten in der Zeche geschoben hatte.

Im Gründungsjahr der Bundesliga (1963) waren mit Schalke 04, Borussia Dortmund (BVB) und dem Meidericher SV, heute besser bekannt als MSV Duisburg, gleich drei Vereine aus dem Pott vertreten.
Doch wie im echten Leben, so geht es eben auch im Fußball auf und ab.

Zwar konnte der BVB 1966 noch als erste deutsche Mannschaft den Europapokal der Pokalsieger gewinnen, in den turbulenten 70er Jahren mit Bundesliga-Bestechungs­skandal und dem Höhepunkt des Zechensterbens stan­den dann aber viele Reviervereine vor dem sportlichen und finanziellen Aus.

Gerade in dieser Zeit entwickelte sich die ganz spezielle Fankultur im Pott.
Oft arbeits- und perspektivlos, war der samstägliche Gang ins Stadion für viele der einzige Lichtblick.

Der Stolz auf die Region und die eigene Herkunft aus einer Arbeiterklasse, die plötzlich keine Arbeit mehr hatte, wurde nun durch den Verein transportiert und am Leben gehalten.
Professionalisierungen in den Strukturen der oft nach Gutsherrenart geführten Vereine brachten Ende der 80er Jahre den Erfolg zurück ins Revier.

1997 war der Pott gar der Nabel der europäischen Fußballwelt, als Dortmund die Champions-League und die Schalker „Eurofighter“ den UEFA-Cup gewannen.
Die Revierderbys in den gigantischen Fußballtempeln der beiden Dauerrivalen Dortmund und Schalke elektrisieren Jahr für Jahr die Massen und auch die kleinen Derbys zwischen dem MSV Duisburg und dem Vfl Bochum in der 2. Liga sorgen für ausverkaufte Ränge.

Bleibt die Frage, ob der Fußball im Revier bei der heutigen Kommerzialisierung des Sports noch so authentisch ist wie anno dazumal? Kaufen Sie sich ein Ticket für ein Heimspiel eines der Revierclubs, stellen Sie sich in die Fankurve und sehen und hören Sie selbst!